Hochzeit in unserer balinesischen Familie

Hochzeit in unserer balinesischen Familie

„Und wie sieht es mit der Hochzeit aus?“ Halb scherzhaft stellten wir „unserem Sohn“ Wayan Anfang des letzten Jahres die Frage. Aber zu unserem Erstaunen lautete die Antwort nicht „Step by step, Mom!“. Nein, Wayan druckste ein wenig herum und erzählte dann, dass es da eine Frau gebe und … und … und am Ende erhielten wir die mündliche Einladung zur Hochzeitsfeier, die während unseres Aufenthaltes in Ciliks Beach Garden stattfinden sollte. Doch da war der balinesische Kalender noch nicht befragt, und der wollte es anders. Das gewählte Datum war gar nicht günstig für das zukünftige Paar und es war auch nicht günstig für die Dorfgemeinschaft. So schlug der Dorfälteste schließlich Anfang November vor. Das war leider drei Monate nach unserem Urlaub! Aber der balinesische Kalender ist stärker als die Wünsche eines einzelnen und auch stärker als Wayan und seine zukünftige Frau Ari!

Ende Oktober, mitten in der Nacht, wurde bei Wayan laut an die Tür geklopft. Es waren zwei seiner Freunde, die ihn mit sanfter Gewalt ins Auto packten. Die Fahrt ging zu Ari, die ebenfalls lautstark geweckt wurde, und dann zwei Stunden nach Norden zum Tamblingan See beim Vulkan Bratan. Bei der Ankunft wurde den beiden klar, was die Freunde da geplant hatten. Auf sie wartete ein professioneller Fotograf mit einer umfangreichen Ausrüstung. Dazu gehörten nicht nur Kameras und Scheinwerfer, sondern vor allem zwei Koffer mit Kleidern und Anzügen und Make-up-Utensilien.

Das Ergebnis: die Bilder sprechen für sich, da muss man nicht viel Worte machen! Aber es ist schon interessant zu wissen, dass diese Foto-Sessions für ein Paar, das etwas auf sich hält, unvermeidlich sind. Die Fotos werden nämlich für die Einladungskarten benötigt und beschreiben das Thema Liebe in unterschiedlichen Zusammenhängen – von der Mythologie bis hin zu Hollywood (oder Bollywood…)!

Die Hochzeit fand dann drei Wochen später in Wayans Heimatdorf Air Sanih (Nordbali) statt und dauerte einige Tage. Am Ende hatten nicht nur Wayans und Aris Familien daran  teilgenommen, sondern das ganze Dorf. Dabei umrahmten gesellige Feiern und reichhaltige Buffets den eigentlichen Kern der Feier. Im ersten Schritt holt der Bräutigam die Braut zu Hause ab, sie verlässt damit endgültig und für immer ihre eigene Familie und tritt in die des Bräutigams ein. Den zweiten Schritt bildet eine unspektakuläre Zeremonie, in der ein Priester die Heirat feststellt und das dazu gehörende Dokument unterschreibt. Dies ist mit unserer standesamtlichen Hochzeit vergleichbar.

Den Höhepunkt bildet die geistliche Hochzeitsfeier mit Reinigungs- und Segnungszeremonien. Ihre Bedeutung wird auch durch die Kleidung unterstrichen. Ari und Wayan trugen sehr aufwendige, festliche Gewänder und folgten damit ganz den Regeln der Tradition. Wayan war besonders stolz auf den wertvollen Kris, den er gekauft hat und der seine Rolle als Beschützer der Familie symbolisiert. Dieses Symbol ist ihm so wichtig, dass er es zu Hause in einer eigens dafür gefertigten Glasvitrine aufbewahrt.

So sind denn nun Ari und Wayan seit einem knappen halben Jahr verheiratet. Wir konnten ja leider nicht dabei sein, aber jetzt warten wir mit dem Rest der Familie auf Ende Juni oder Anfang Juli. Denn dann wird, wenn alles gut geht, das erste Kind der beiden auf die Welt kommen! Und hier in unserem Blog gibt es dann wieder etwas zu berichten …

 

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